Wer ordnet die Welt?

Ich schreibe diesen Beitrag mit einem allerletzten Fünkchen Hoffnung, allerdings auf dem Boden einer breiten Fassungslosigkeit. Meiner Meinung nach sind wir dabei, eine Jahrhundertgelegenheit zu verpassen, so wie sie vor fast genau Einhundert Jahren schon einmal verpasst wurde.

Mit „wir“ meine ich alle Geld- und Bodenreformwilligen, die sich irgendwie auf Silvio Gesell berufen. Als dieser in der Münchner Räterepublik 1919 den Posten des Finanzministers bekam, war eine solche einmalige Chance gegeben, die der Geschichte eine andere Wendung hätte geben können. Diese Chance wurde nicht verspielt, sie wurde gewaltsam beendet, bevor sie hätte Wirkung zeigen können.

Ich sehe derzeit eine ähnlich historische Chance gegeben, nur befürchte ich, dass sie diesmal tatsächlich verspielt wird, weil niemand aus „unseren“ Reihen sie erkennt und ergreifen will.

Wir warnen in Gesell´scher Tradition seit Jahrzehnten vor dem Zusammenbruch des wachstumsabhängigen Wirtschaftssystems und bieten „unsere“ Lösungen an. Und konstatieren seit Jahrzehnten, dass diese Lösungsvorschläge von denen, die an den Entscheidungshebeln sitzen, ignoriert werden und die Bürger sich kaum dafür interessieren.

Kein Weiter-so

Jetzt ist aber ein entscheidender Punkt erreicht: Diejenigen, die de facto an den Hebeln der Macht sitzen, hatten – wie „wir“ auch – längst erkannt, dass es ein Weiter-so in diesem Wirtschaftssystem nicht mehr geben kann. Das Ende der Fahnenstange war längst erreicht. Deshalb hatten sie beschlossen, dass drastische Veränderungen passieren müssten. Nur haben sie – im Gegensatz zu „uns“ – gar nicht den Versuch unternommen, die Menschen von ihren Lösungsideen zu überzeugen, sie „mitzunehmen“ – weil sie sie nämlich in die von ihnen geplante Zukunft nicht mitnehmen, sondern als lästigen Ballast loswerden wollen.

Wer hier die Fäden zieht, an denen die für die Bevölkerungen sichtbaren Politmarionetten hängen? Es sind wenige Tausend Menschen, die über immensen Reichtum, Einfluss und Macht verfügen. Ihre Treffen sind sogar zum Teil für jeden sichtbar, z.B. beim WEF-Forum in Davos. Ihre Absichten sind ebenfalls nicht geheim, sondern auf Webseiten und in Buchform nachzulesen – allerdings äußerst professionell kaschiert, so dass es dem Publikum schwer fällt, zwischen den Zeilen zu entschlüsseln, was konkret geplant ist. Eine der Schlüsselaussagen lautet z.B.: „Du wirst nichts besitzen, und du wirst glücklich sein!“

Wirklich? Wurde die Zustimmung der Betroffenen abgefragt? Offensichtlich nicht, es besteht keine Wahlmöglichkeit, sondern die selbst ernannte Elite bestimmt, was die nicht zur Elite Gehörenden in Zukunft glücklich macht.

Wer sich die Homepage des WEF intensiv anschaut, erkennt, dass die dort präsentierten Konzepte nahezu alle Aspekte des menschlichen Lebens umfassen – außer der Menschlichkeit selbst. Es haben Dutzende von Think Tanks in aller Welt jahrelang daran mitgearbeitet, viele namhaften Universitäten sind mit einem Institut vertreten. Geld ist ja im Überfluss vorhanden, und man kann zudem die darbenden Medien großzügig unterstützen, die dann genau wissen, was ihre Aufgabe ist.

NWO

Was vom WEF und seinem Gründer Klaus Schwab unter dem Slogan „The Great Reset“ propagiert wird, läuft letztlich auf die (oft als Verschwörungstheorie diffamierte) Etablierung der NWO hinaus. Allerdings nicht der NWO, die Silvio Gesell vorschwebte, nämlich einer NATÜRLICHEN WIRTSCHAFTSORDNUNG, sondern einer NEUEN WELTORDNUNG. In dieser NEW WORLD ORDER gibt es keine Staaten mehr, sondern die Welt wird unter Konzernen aufgeteilt. Dieser Prozess ist bereits weit fortgeschritten, und wahrscheinlich liegt darin der Hauptgrund, dass ein 3. Weltkrieg in der Art von WK I und WK II nicht infrage kommt. Denn würde z.B. China Bomben auf Europa oder die USA werfen, würde es seinen eigenen Besitz mit zerstören.

Die Zerstörung war aber immer das Mittel, um Wirtschaftswachstum wieder und weiterhin zu ermöglichen. Und was erleben wir derzeit? Die Wirtschaft wird zerstört, genauer gesagt der Teil der Wirtschaft, den man als „Mittelstand“ bezeichnet, also kleine und mittlere Unternehmen, die der Bevölkerung Arbeit und Auskommen bieten. Und das nahezu weltweit! Und wer profitiert? Multinationale Konzerne, die nur wenige Spezialisten als hochbezahlte globale Nomaden und ein Heer von Billiglöhnern benötigen.

Verhältnismäßigkeit?

Aber keine Regierung trägt die Schuld an dieser Zerstörung, es handelt sich um bedauerliche Kollateralschäden im Rahmen der Bekämpfung einer tödlichen Pandemie. So jedenfalls das Narrativ, altdeutsch Märchen, das der Bevölkerung mittels medialer Dauerberieselung ins Bewusstsein geträufelt wird.

Und obwohl die mangelnde Verhältnismäßigkeit der „Maßnahmen“ immer offensichtlicher wird, die Kur weit mehr Schaden anrichtet als die Krankheit, will ein Großteil der Bevölkerung immer noch nicht wahrhaben, was für eine Agenda da abläuft. Warum? Weil sie nicht glauben können, dass „unsere“ Regierung „unsere“ Wirtschaft mutwillig zerstören will! Dieser Gedanke ist auch schwer zu denken, solange man noch der Meinung ist, dass die von uns Bürgern gewählte Regierung unsere Interessen vertritt.

Doch wie gehen „wir“ damit um, die Aufgeklärten, die ja wussten, dass das mit dem Wachstumszwang nicht gutgehen kann? Die ja die Aufklärung immer wieder unter das Volk zu bringen versuchten? Die erleben mussten, dass das Zinssystem tatsächlich nicht mehr durchzuhalten war – aber welche „Lösung“ wurde dann gefunden?! Negativzinsen, die dem Unbedarften „so ähnlich“ erscheinen könnten wie die „von uns“ propagierte „Umlaufsicherung“, in Wahrheit aber ein Zerrbild ist. Jedenfalls keine Lösung.

Die Hoffnung, dass „unsere“ tollen Rezepte ein offenes Gehör finden könnten bei denen, die die Weichen stellen, dürfte spätestens jetzt obsolet sein, nachdem die Pläne für die „4. industrielle Revolution“ (Klaus Schwab) auf dem Tisch liegen und alle Regierungsentscheidungen mit rücksichtsloser Macht in diese Zukunft drängen, sogar sprichwörtlich über Leichen.

Es nützt nichts, nur weiter Rezepte zu veröffentlichen – mögen die noch so toll sein – in der Erwartung, irgendwann würde irgendwer nach ihnen kochen.

Wir müssen selbst ins Tun kommen!

Entweder ein eigenes Restaurant eröffnen, oder als Koch in einem Restaurant anheuern.

Um dies Bild wieder zu verlassen: Das Thema „eigene Partei“ hat in der Vergangenheit viel Energie verbraucht, auch weil die Chancen zu gering waren. Jetzt aber ist eine völlig neue Situation entstanden: Immer mehr Menschen fällt auf, dass es keine Opposition mehr gibt, dass die demokratischen Grundregeln nicht mehr gelten, dass Grundrechte zunehmend zur Disposition stehen. Sie wollen das nicht hinnehmen und haben begonnen, sich zu organisieren. U.a. in Parteien, auch wenn sie letztlich das Parteiensystem in seiner jetzigen Form abschaffen wollen, zugunsten von mehr direkter Bürgerbeteiligung. Diese Veränderungen sind aber auf friedlichem Weg nur von innen heraus möglich.

Mit Parteien gegen das Parteiensystem

Da in diesem Jahr mehrere Landtagswahlen anstehen und vor allem die Bundestagswahl, ist es für eine Neugründung einer Partei jetzt zu spät. Im vergangenen Jahr 2020 haben sich aber einige Parteien gegründet, die als wichtigstes Ziel haben, die Einhaltung der Grundrechte zu fordern, die unter fadenscheinigen Begründungen der „Gesundheit“ geopfert wurden.

Ich selbst bin inzwischen Mitglied einer dieser neuen Parteien und konnte feststellen, dass ich in guter Gesellschaft bin – ein stereotyper Satz lautet: „Ich war noch nie politisch aktiv, hatte immer besseres zu tun, aber jetzt ….“

Was diesen neuen Parteien naturgemäß noch fehlt, ist ein Programm. Daran wird eifrig gefeilt, und man kann sich als Mitglied noch einbringen, auch online.

Das Programm bist du!

Wer sich die Parteiprogramme dieser neuen Parteien anschaut, findet darin gelungene Ansätze, aber sicher auch Punkte, die ihm noch nicht ausreichend durchdacht erscheinen. Wenn ich feststelle, dass ein Programm einer neuen Partei Entwicklungen ermöglicht, die eigentlich nicht gewollt sein können, ist Einmischung dann nicht erste Bürgerpflicht? Das Programm bin ich, bist du! Demokratie lebt vom Mitmachen! Dass wir Politik als etwas betrachtet haben, an dem man sich die Finger schmutzig macht, war der Grund für die Schwindsucht, die unsere Demokratie von Beginn an befallen hatte! Wir haben das Regieren den Profilneurotikern und Psychopathen überlassen! Leuten, die nirgendwo einen solch lukrativen Posten bekämen wie sie ihn als Abgeordneter innehaben – weshalb sie in erster Linie alles tun, diesen Posten zu behalten. Das geht durch Abnicken dessen, was die Parteispitze sagt, und es geht durch Zusammenarbeit mit den Lobbyisten.

Wie lange wollen wir uns noch vor einer Beteiligung an der Verantwortung drücken?

Ich erachte es als äußerst dringlich, dass all die klugen Köpfe sich endlich dort einbringen, wo gerade versucht wird, die Demokratie zu retten und auf ein neues Fundament zu stellen. Dort besteht Bedarf an Sachverstand, der in die Programme für die bald anstehenden Wahlen einfließen soll.

Ich fände es tragisch, wenn „wir“, also alle, die ein anderes Wirtschafts-, ein anderes Finanz-, ein anderes Bildungssystem, kurz: eine neue Gesellschaft wollen, diese Jahrhundertgelegenheit einer Reform wieder versäumten, besonders weil es sich diesmal um ein selbstverschuldetes Versäumnis handeln würde!

Volker Freystedt